Geschichte "Holzbachtalbahn" Siershahn – Altenkirchen (Westerwald)

Übernahme durch die WEBA

Mit Unterzeichnung des notariellen Kaufvertrages am 16.09.2005 hat die Westerwaldbahn des Kreises Altenkirchen GmbH (WEBA) die Holzbachtalbahn im Abschnitt Altenkirchen – Selters käuflich erworben. Der betriebliche Übergang erfolgte zum 01.12.2005, die Anpachtung des Bahnhofsgleises Siershahn – Selters wurde per 01.04.2006 vollzogen.

Güterverkehr der WEBA

Zwischenzeitlich ist die Holzbachtalbahn wieder auf ganzer Länge befahrbar, nachdem lange Jahre nur noch die Abschnitte Altenkirchen – Raubach und Siershahn – Selters betriebsfähig waren. Zum 25.05.1998 übernahm die kreiseigene Westerwaldbahn (WEBA) die Güterverkehrsbedienung der Strecke Altenkirchen – Raubach von der damaligen DB Cargo AG. Die Zuführung der Wagen erfolgte seitdem vom Bahnhof Betzdorf und nicht mehr von Troisdorf aus.

Damalige Kunden waren neben einem Schrotthändler in Altenkirchen die heutige Axtone Bahntechnik GmbH (ex Keystone Bahntechnik GmbH, ex Karl Georg Bahntechnik GmbH) in Neitersen, die Afflerbach Bödenpresserei GmbH & Co. KG in Puderbach sowie sehr selten die Papierfabrik der Metsä Tissue-Gruppe (Anst Hedwigsthal) nördlich von Raubach. Raubach selber wurde bis zur Reaktivierung des Streckenstückes bis Selters nur noch zum Umsetzen der Lok angefahren.

Auf dem südlichen Abschnitt verkehrten Züge lange Jahre von Siershahn kommend nur bis Selters, wo der Behälterbau Schütz GmbH & Co. KG aA angefahren wird. Seltener wurden bis Ende der 1990er Jahre Güter an der dortigen Hochrampe verladen. Mit der Reaktivierung des Abschnittes nördlich von Selters erfolgte die Zuführung der beladenen Waggons nun von Scheuerfeld aus. Über Siershahn wurden zeitweise nur noch die Leerwagen abgefahren bzw. Waggons der neuen Produktionsstätte in Siershahn (ex Keramchemie) zugeführt.

Querelen und (kurzzeitiger) Niedergang

Lief der Bahnbetrieb der WEBA auf der Holzbachtalbahn jahrelang ohne nennenswertes öffentliches Interesse, geriet das Engagement Ende 2015 nach Veränderungen in Geschäftsführung und Aufsichtsrat des Kommunalunternehmens in den politischen Fokus. Die Subunternehmerleistungen für die DB Schenker Rail Deutschland AG waren – dem Vernehmen nach aufgrund der Infrastrukturkosten – von Anfang an nicht kostendeckend (ca. 200.000 EUR Verlust pro Jahr), zudem standen Investitionen in die über Jahre vernachlässigte Infrastruktur an.

 

Gemäß des Beschlusses im Kreistag vom 07.12.2015 sollte entweder eine Erhöhung der Frachtraten für die WEBA bis 21.12.2015 erreicht werden oder eine Kündigung der Kooperationsverkehre mit der DB zum 30.06.2016 erfolgen. Da sich so kurzfristig keine Preisanpassungen realisieren ließen folgte die Gesellschafterversammlung der WEBA dem Kreistagsbeschluss und kündigte die Verträge mit DB Schenker Rail. Seitens DB wurde die Kündigungsfrist mehrfach verkürzt, so dass weitere Verhandlungen möglich wurden. Die Frachtpreise konnten angehoben werden und die Fortführung der Verkehre war zunächst gesichert.

Als Stolperstein erwies sich hingegen die notwendige Investitionskosten für den Erhalt der Strecke in Höhe von 11 bis 12 Mio. EUR. Förderungen von Bund (Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetz (SGFFG)), dem Land Rheinland-Pfalz (VV NE-Bahnen) und der drei Kreise waren zugesagt. Für die WEBA wäre die Maßnahme beim Greifen der Förderungen somit nahezu kostenneutral. Blockiert wird dies jedoch durch das Altenkirchner Unternehmen Werit, das in den Förderungen eine unzulässige Subventionierung des Mitbewerbers Schütz sieht und Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht hat. Folglich hatte die WEBA Investitionen in die Aufrechterhaltung des betriebsbereiten Zustandes weiterhin komplett selbst zu finanzieren. 2017 sollte dies ein sechsstelliger Betrag sein, 2018 sogar noch mehr.

Um das „Gesamtunternehmen WEBA“ nicht zu gefährden, votierte der Kreistag am 26.06.2017 für eine Kündigung des Vertrages mit DB Cargo zum 31.12.2017 sowie für die Stilllegung des WEBA-eigenen Streckenabschnittes Altenkirchen – Selters. Das Stilllegungsverfahren gemäß § 11 Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG) wurde umgehend eingeleitet. Die Veröffentlichung vom 29.06.2017 musste jedoch zwei Mal aufgrund von Formfehlern korrigiert werden, zuletzt am 17.11.2017. Die Publikation zog drei Interessensbekundungen nach sich, dem Vernehmen nach hat jedoch nur die LWS Lappwaldbahn Service GmbH weitere Gespräche geführt.

DB Cargo übernahm per 11.12.2017 die Bedienung des Kunden Schütz in Selters via Limburg (Lahn) und Siershahn, die Holzbachtalbahn wurde letztmalig am gleichen Tag von der WEBA befahren. Es verblieb dem Streckenteil nördlich von Selters nur kurzzeitig ein wöchentlicher, DB Cargo-traktionierter Leerzug. Da der Anschluss des Schrotthändlers in Altenkirchen bereits längerem gesperrt war, bediente die WEBA bis Dezember 2017 nur noch Kunden in Neitersen und Puderbach, die nachfolgend ihre Logistik komplett auf den Lkw umgestellt haben.

LWS übernimmt Strecke

Die Lappwaldbahn Service GmbH (LWS) ist seit dem 26. November 2018 neuer Eigentümer der Eisenbahnstrecke von Altenkirchen nach Selters. Die vollständige Rückverlagerung des derzeit über Limburg laufenden Güterverkehrs wird aus verschiedenen Gründen nicht schon im Dezember 2018 erfolgen können, sondern erst im Januar 2020. Die LWS wird 2019 zunächst dringend notwendige Reparaturen vor allem an den Brücken durchführen, bevor ab 2020 eine umfassende Ertüchtigung vorgesehen ist. Im Zuge der Baumaßnahmen wird es aller Voraussicht nach noch einmal zu einer vorübergehenden mehrmonatigen Streckensperrung kommen, um Baufreiheit für die Erneuerung einiger Brücken zu erlangen. Die Güterzüge müssen während dieser Zeit umgeleitet werden.